Keep it simpel: Schilder und Wegweiser

Schilder und Wegweiser sind in unserem Umfeld sowie im öffentlichen Raum wichtige Elemente, die uns Orientierung geben und/oder wichtige Informationen vermitteln. Sie sind in großer Zahl im Straßenverkehr präsent, in Behörden, auf Parkplätzen, am Flughafen, in Messehallen, Parks und Stadien – und einfach nicht mehr wegzudenken. Man stelle sich nur vor, die Beschilderungen würden für einen Tag komplett verschwinden? 😉 Doch zugegeben, gerade bei Beschilderungen an Straßen und Wegen drängt sich oft der Gedanke auf, dass „weniger wahrscheinlich mehr wäre“ (frei nach Mies van der Rohe). Wobei: Für die wegweisenden Beschilderungen an Straßen und Autobahnen sind diverse Richtlinien zu beachten, die genau definieren, in welcher Form und wo ein Element installiert werden darf. Das mag gut und richtig sein, allerdings können sich gestaltungskompetente Personen schon manchmal fragen, wie es zu gewissen Lösungen überhaupt kommen konnte.

Um im Bild zu bleiben, beim Thema „Wegweiser, Schilder und Beschreibungen“ liegen die Beispiele, ob gut oder weniger gelungen, ja quasi auf der Straße. Wahrscheinlich ist es jedem schon einmal passiert, dass eine Info-Tafel, die einem eigentlich eine Baustellenumfahrung verdeutlichen sollte, den Betrachtenden mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn zurücklässt. Es beschleicht einen mitunter der Verdacht, dass solcherlei Beschilderungen und Aufsteller, die eigentlich sehr wichtige Botschaften vermitteln sollen, vorab leider nicht am „lebenden“ Objekt getestet wurden. Anders ist es aus unserer Sicht nicht zu erklären, dass die visuelle Kommunikation in den seltensten Fällen zielführend ist. Und das obwohl, neben Namen, Begriffen und Zielhinweisen bei dieser Form der „Informations- und Faktenvermittlung“ gerne Pfeile, Linien und Grafiken zu Hilfe genommen werden.

Vorschriften versus Kommunikationsdesign

Es ist hinlänglich bekannt, dass es kompetente Leute – Grafiker, Grafik-Designer oder Kommunikationsdesigner genannt – gibt, die darauf spezialisiert sind, Gestaltungen so auf die Fläche zu bringen, dass sie schnell aufgefasst und optimal wahrgenommen werden. Sie sind für die Kreation und Ausführung grafischer Arbeiten prädestiniert, die wiederum für Menschen wie du und ich, verständlich auf den Punkt bringen, was der Verfasser der Botschaft gerne vermitteln möchte: ob auf einem Plakat, Wegweiser, einer Baustellentafel oder Beschilderung in einem Ärztehaus. Die Erfahrung zeigt, dass zu oft – vermutlich vonseiten des Auftraggebers angeregt - versucht wird, zu viele Informationen in eine Gestaltung zu packen.

Oder der Verfasser beziehungsweise die Verfasserin setzt (vielleicht sogar unbewusst) voraus, dass der Rezipient bereits über wesentliche Basisinformationen verfügt. Jedenfalls lässt sich feststellen, dass bei Umleitungen auf Bundesstraßen oder Autobahnen manches kryptisch bleibt, da dem „ahnungslosen“ Durchreisenden die nötigen Ortskenntnisse und -namen schlichtweg fehlen. Wenn es zum Beispiel lautet: „In Fahrtrichtung des Ortes „XY“ !? Ja okay, und wenn man einfach nicht Bescheid weiß, was dann? Wie wäre es eigentlich, hier auch mit Hinweisen zur Himmelsrichtung zu arbeiten … Hat das schon mal jemand ausprobiert?

Checkliste für die Gestaltung von Hinweis-Schildern

Wir fassen zusammen, was Designer im Studium lernen und die technischen Regelwerke bestimmt – zumindest teilweise – ebenso einfordern:

    • Schilder und Wegweiser so einfach wie möglich gestalten
    • mit vertrauten visuellen Elementen arbeiten
    • Farben „geschickt“ einsetzen (Signalwirkung, Bedeutung, etc.)
    • Kontraste beachten, z. B. Tonwerte kombinieren, die sich gut ergänzen
    • Fern- und Nahwirkung überprüfen
    • Tipp: die Gestaltung einmal auf den „Kopf stellen“, um Ungereimtheiten aufzudecken
    • gut lesbare Schriften und deutliche Symbole einsetzen
    • Symbol und Zeichnung haben Vorrang vor Text

Einfache, klare Symbole setzen sich durch

Otl Aichers grafisches Leitsystem für die Olympischen Spiele in München ist ein Beleg dafür, wie sich so manche Botschaft mithilfe klarer, schlicht gehaltener Piktogramme vermitteln lässt. Die damals entworfenen Zeichen, z. B. für die unterschiedlichen Sportdisziplinen, basieren alle auf einem einheitlichen Raster. Es wurde zudem mit grafischen Grundformen gearbeitet, die sich in jedem Bild wiederfinden. Das Resultat: Jede auf diese Weise dargestellte Sportart ist ohne Worte und ergänzende Erklärungen zu erkennen und zu verstehen. Eine weitere prägende Arbeit aus der Feder Aichers ist das bis heute bekannte Lufthansa-Design. An der ursprünglichen Strahlkraft ändert auch der eine oder andere Relaunch nichts.

Und selbstverständlich gibt und gab es viele andere exzellente Gestalterinnen und Grafik-Designer auf der Welt. Jedoch sind die Symbole der Olympischen Sportarten ein sehr gutes Beispiel für eine sehr reduzierte konsequente Herangehensweise, die quasi mit nichts Überflüssigem vom Wesentlichen ablenkt. Zudem punktet die Aicher Lösung mit der Möglichkeit, die Icons in verschiedenen Farben und auf „schwierigen“ Untergründen zu zeigen, ohne dass diese ihre Eindeutigkeit oder Wirkung verlieren. Die eingängigen Piktogramme sind bis heute relevant und unter anderem auf Kleidungstücken einer speziellen Kollektion der Marke ‚Puma‘ zu finden.

Vermittlung von Informationen – verständlich für alle

Verkehrszeichen und -schilder bewegen sich in einer ähnlichen Kategorie der reduzierten visuellen Kommunikation. Auch haben wir in Schule und Fahrschule gelernt, was sie bedeuten. In einem Sekundenbruchteil, einem Augenblick, muss klar werden, was hier gemeint ist – ob Stopp-Schild, Vorfahrt achten, Geschwindigkeitsvorgaben oder Warnhinweise. Zudem bietet der Weg der Kommunikation via Symbol den Vorteil, dass er so gut wie keine Sprachbarrieren aufbaut. Das visuelle Element ersetzt Worte und ist in der Regel international verständlich. Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass in Fällen sehr großer kultureller Unterschiede und anderer Formen von Wahrnehmung mit dem Einsatz von Symbolen gewisse Grenzen erreicht werden. Dennoch ist die reduzierte, klare Kommunikation mit Zeichen und Grafiken das Mittel der Wahl, wie wir finden: immer dort und dann, wenn es passt.

Fazit: Klare Gestaltungen prägen sich gut ein und werden schneller wiedererkannt.

In einem unserer nächsten Beiträge werden wir in diesem Zusammenhang weiter „ermitteln“ und uns mit dem Thema „Montage- und Inbetriebnahme-Anleitungen“ beschäftigen. Ikea lässt schon mal grüßen 😀

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