Wirklich „easy“? – Montageanleitungen

Fast jeder von uns hat mit großer Wahrscheinlichkeit schon einmal eine Montageanleitung in Händen gehalten – und hoffentlich verstanden 😉. Derlei Beschreibungen, zumeist mit Zeichnungen oder Fotos bebildert, sollen dabei helfen, Produkte in Betrieb zu nehmen und/oder zusammenzubauen. Zu Elektrogeräten, Möbeln oder Lampen beigelegt sollen die Drucksachen die Käuferinnen und Käufer dazu befähigen, das kürzlich erworbene Stück mit eigenen Händen in den gewünschten Endzustand zu bringen. Im Möbelsegment sind die Aufbauanleitungen oftmals mit Stücklisten versehen, die benötigte Schrauben, Dübel, Drähte, Winkel, Klemmen oder ähnliches auflisten. Und selbstverständlich ist heute vieles auch im Video veranschaulicht und diverse Montageanleitungen und -hinweise online zu finden.

In Ruhe auspacken und die Stückliste prüfen

Wobei es einen gewissen Charme hat, die kürzlich angelieferte Ware mit Muse auszupacken und sich alle Einzelteile sowie die beigefügte Montage- oder Bedienungsanleitung in Ruhe anzusehen. Es ist quasi ein bisschen wie Weihnachten. In der Regel bietet es sich an, gleich im Anschluss zu prüfen, ob alle genannten Teile vorhanden sind. Denn ginge man völlig unbedarft in den Montageprozess, könnte das Fehlen einzelner „Puzzelstücke“ zu Unmut, Komplikationen und unerwünschten Wartezeiten führen. Grundsätzlich ist beim Auspacken der Ware mit Sorgfalt vorzugehen, damit sich alle gelieferten Einzelteile zu einem unversehrten Ganzen zusammenfügen lassen. Von Lieferantenseite wird dies ohnehin empfohlen. Sollte etwas beschädigt angeliefert worden sein, sollen Verbraucher und Verbraucherinnen das umgehend melden, bevor sie selbst Hand anlegen. Ein Standardhinweis und Bestandteil vieler Anleitungen.

Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er weitere Vorkehrungen trifft, um beim Aufbau oder der Montage, einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Ob haushaltsübliche Werkzeuge benötigt werden, ist ebenfalls in den Hinweisen zur Inbetriebnahme vermerkt. Bei sehr empfindlichen Oberflächen könnte es ratsam sein, zum Beispiel Handschuhe zu tragen oder einzelne Produktteile auf einem sauberen und kratzfreien Untergrund zu montieren. Niemand möchte seinen Neuerwerb „in Gefahr“ bringen. Sollte die Montage nicht auf Anhieb funktionieren, weil die Beschreibung beispielsweise missverständlich ist, holt man am besten eine Person hinzu, die mit draufgucken kann und bestenfalls mit anpackt. Zu zweit geht vieles noch besser 👍.

Wie entsteht eine Montageanleitung?

Bei vielen Produkten sind mit deren Nutzung rechtliche, technische oder andere Anforderungen zu berücksichtigen. Die Inhalte sind im Kern also eine Zuständigkeit, die im Produktmanagement oder ähnlicher Instanzen in den Herstellerfirmen liegt, die sich um die Angelegenheiten von Grund auf kümmern und die Unterlagen insgesamt organisieren und verwalten. Oft gilt es zudem, Normen und Gesetze einzuhalten. Niemand darf beim Betrieb der Geräte, Möbel oder anderer Waren zu Schaden kommen. Aufgrund dieser Umstände ist es nachvollziehbar, dass sich der Montagewillige mit einer Menge an Informationen konfrontiert sieht, die dessen Geduld gegebenenfalls etwas überstrapazieren können. Je komplexer und sicherheitsrelevanter ein Produkt ist, umso mehr Angaben werden in den Betriebsanleitungen zu finden sein. Auf der anderen Seite ist das auch für Techniker und Ingenieure, die die Inhalte aufbereiten, und ebenso für die Designer, die die Anleitung oder das Handbuch grafisch umsetzen, eine Herausforderung.

Schlussendlich ist die Montageanleitung zu einem Artikel (ob Print- oder Online-Version), ein Hilfsmittel zur Inbetriebnahme, Installation, Pflege, Entsorgung etc., das in eine gestaltete Form zu bringen ist. An diesem Punkt geht es in Richtung Kommunikation, Illustration und Grafikdesign: Wichtige Botschaften sind an die Empfänger und Empfängerinnen so zu richten, dass sie gut und ohne das Vorhandensein von Fachkenntnissen verstanden werden. Installations-, Aufbau- und Montageanleitungen sind daher – je nach Produktkategorie – mit möglichst wenig Text versehen. Vielmehr wird angestrebt, die wesentlichen Informationen – Schritt für Schritt – mit Zeichnungen, Bildern oder Videos zu vermitteln. Ist die Thematik zu komplex, um auf schriftliche Angaben zu verzichten, ist eine verständliche Formulierung zu wählen. In vielen Fällen sind in einer Drucksache verschiedene Sprachversionen untergebracht. Ein Umstand, der die Anleitungen nicht gerade übersichtlicher macht.

So einfach und so klar wie möglich

Schon bei unserem Thema „Keep it simpel: Schilder und Wegweiser“ haben wir diesen Aspekt hervorgehoben. Überflüssiges sollte gnadenlos gestrichen werden. Darüber hinaus sollten die grafischen Entwürfe mehrfach und von verschiedenen Testpersonen auf Verständlichkeit geprüft werden. Bei in Einzelteilen gelieferten Produkten wird meistens eine Struktur gewählt, die die Schritte der Montage aufeinander aufbauend darstellt. Ein weltweit bekanntes Möbelhaus hat den Stil der Anleitung für das Zusammenfügen einzelner Bestandteile zu einem kompletten Einrichtungsgegenstand besonders stark geprägt. Informationen, wie Stücklisten, Zuordnungen der Komponenten untereinander, benötigte Werkzeuge und andere, werden fast ohne Worte vermittelt.

Dass es auch hier manchmal zu Unverständnis kommen kann, liegt in der Natur der Sache. Jeder Mensch nimmt die Botschaften eben anders auf. Zum anderen spielt das eigene Geschick beim Zusammenbau einzelner Elemente eine nicht unwesentliche Rolle. Die Aufbauanleitung kann ergo nicht in jedem Fall für ein mögliches Scheitern verantwortlich gemacht werden.

Die Hersteller geben sich zumeist große Mühe bei der Gestaltung der Montageanleitungen für ihre Artikel. Nichtsdestotrotz können Missverständnisse nicht ausgeschlossen werden. Lässt sich das „Rätsel“ gar nicht lösen, kann ein Anruf bei einer Service-Hotline helfen. Oder man/frau zieht eben doch einen geschickten und geübten Handwerker oder eine Handwerkerin hinzu.

Fazit: Gebrauchsanleitungen, Technische Merkblätter, Handbücher, Aufbauanleitungen etc. sind für jeden Gestaltenden eine Herausforderung, da mit den zu vermittelnden Inhalten ein konkretes Ziel erreicht werden muss. Es gibt in der Regel nur einen Lösungsweg, um das Produkt eigenhändig fertigzustellen und an dem dafür vorgesehenen Einsatzort platzieren zu können. Der muss entsprechend korrekt, detailliert und verständlich dargestellt sein – ob mit Zeichnungen, Fotos, Texten oder eben einer Mischung aus visuellen Elementen und Beschreibungen.

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